2013 – Internationales Jahr der Quinua | Fairkaufladen
2013 – Internationales Jahr der Quinua

 „Korn der Inkas“ oder „Kraut gegen den Junkfood des Kapitalismus“

 Bevor das Internationale Jahr der Quinua zu Ende geht, möchten wir an dieser Stelle ein Lebensmittel würdigen, das es Menschen seit mehr als 6000 Jahren erlaubt, die Anden in Höhen von über 4000 m  zu besiedeln. Und welches, laut UN – Generalsekretär Ban Ki Moon, gerade auch in Zeiten des Klimawandels das Potenzial hat, den weltweiten Hunger zu bekämpfen.

Es ist  ein bisschen Geschmackssache, mit welchem Beinamen man die Quinua schmückt: Je nachdem, ob man die Inkas mythologisiert, die geografische Herkunft beschreibt, sich botanisch ausdrücken möchte oder eher ideologisch. So wird aus  Quinua das Korn der Inkas, das Gold der Anden, eine Reismelde  oder – nach dem Bolivianischen Präsident Evo Morales – das  „Kraut gegen den Junkfood des Kapitalismus“.

Am 20. Februar hatte Morales im Rahmen der Feierlichkeiten des Internationalen Jahres der Quinua im New Yorker UN-Sitz eine Lobrede auf Quinua gehalten.

Er  verteidigte den Wert der Pflanze und erklärte, sie sei ein Urerbe der Andenbewohner. Quinua werde dort seit mehr als 7000 Jahren angebaut. Nur dank der traditionellen Bräuche der indigenen Völker der Anden sei es möglich gewesen,  die Pflanze als Lebensmittel für jetzige und kommende Generationen zu schützen.

Während der spanischen Eroberungszüge wurde der Anbau von Quinua und Amaranth verboten und sogar unter Todesstrafe gestellt. Das als „unchristlich“ eingestufte Nahrungsmittel blieb daher in Europa bis in das 20. Jahrhundert hinein nahezu unbekannt .

Mit Evo Morales kam 2005 zum ersten Mal in der Geschichte Boliviens ein Repräsentant der indianischen Bevölkerung an die Spitze des Staates. Der Parteichef des „Movimento al Socialismo“ (MAS) ist Aymaro-Indianer und entstammt einer armen Bauernfamilie.

Faire Quinua

Schon seit 1992 bezieht die Gepa Bio-Quinua  von der Organisation ANAPQUI  (Asociacion Nacional de Productores de Quinua) im südlichen Hochland von Bolivien und sorgt so für einen Absatzmarkt für Quinua in Deutschland und Europa.

Außer dem Bio-Anbau  ist es ANAPQUI besonders wichtig, traditionelle Sorten wie z.B. die Rote Quinua anzubauen und sie damit zu erhalten. Mit Hilfe des Fairen Handels ist es der Organisation sogar gelungen, eine eigene Aufbereitungs- und Weiterverarbeitungsanlage für Quinua zu bauen.

Gepa- Handelspartner- Info ANAPQUI: http://www.gepa-wug.de/wug/download/AM%20Bol%20405%20ANAPQUI%205-10_web.pdf

Hier ein Arte-Video, das sehr eindrucksvolle Einblicke in Quinuaanbau,  – verar-beitung und –vermarktung gibt und dabei auch die Probleme aufzeigt, die mit der großen Nachfrage verbunden sind:

http://videos.arte.tv/de/videos/bolivien-das-jahr-der-quino–7536446.html

 

Was Quinua mit Gänsefüßen zu tun hat

Auch wenn sie bisweilen so bezeichnet wird, aber Quinua ist kein Getreide, sondern wie Amaranth und Buchweizen eine Körnerfrucht. Als Gänsefußgewächs ist sie botanisch eher mit Kulturpflanzen wie Spinat, Mangold oder Roter Bete verwandt.

Quinua wächst auf mageren steinigen Böden, verträgt Trockenheit und Frost und übersteigt mit Anbauhöhen von 4200 m deutlich die oberste Grenze für Getreideanbau.

Was NASA-Astronauten an Quinua so schätzen

Es muss Gründe geben, warum  Quinua ein (Über-) Lebensmittel gleichermaßen für  Andenvölker und NASA – Astronauten ist.

Einer der Gründe liegt  in der für ein pflanzliches Lebensmittel exzellenten  Eiweiß-Qualität. Diese ist definiert durch den hohen Gehalt essentieller – d.h. vom menschlichen Körper nicht herstellbarer – Aminosäuren.  Ähnliches lässt sich von der Fettsäurenzusammensetzung sagen. Quinua besteht etwa zur Hälfte aus mehrfach ungesättigten und zur anderen Hälfte aus einfach ungesättigten Fettsäuren.  Dazu kommt ein hoher Gehalt an Mineralstoffen wie z.B. Calcium, Magnesium, Eisen und Zink. Der Eisen-Gehalt ist fast dreimal so hoch wie der von Getreide und darüber hinaus besser vom Körper verwertbar.        Ebenso ist der Gehalt an B-Vitaminen und Vitamin E zu erwähnen.  Außerdem eignet sich Quinua für alle Menschen, die kein Gluten (Klebereiweiß) vertragen. Es lohnt sich also aus mehreren Gründen, Quinua einfach mal in den Speiseplan zu integrieren – sozusagen als Nahrungsergänzungsmittel. Diesmal nicht aus der Apotheke (das ist ja modern …), sondern von Kleinbauern auf dem Acker produziert.

 

Was Quinua so interessant für die Küche macht

Nicht nur die ernährungsphysiologischen Vorteile machen Quinua so reizvoll, sondern auch die vielfältigen Verabeitungsmöglichkeiten. Quinua läßt sich kochen, keimen, backen, rösten und mahlen.

Sie eignet sich als Beilage zu Gemüse, Fleisch und Fisch, in Suppen, im Gemüseauflauf, als Quinua-„Risotto“, im Omelette, als Füllung in Paprika oder Krautblättern, auf Salat gestreut, als Pflanzerl, als Mehl in Kuchen und Brot, aber auch als Dessert.

Ungekochte Quinua hält sich sehr lange im Vorratsschrank, in gekochtem Zustand  einige Tage im Kühlschrank und einige Monate im Gefrierfach.

 

                                                                                 Quinua- Grundrezept

500 g  Quinua waschen und mit 1 Liter kaltem Wasser zum Kochen bringen. Dann Kochplatte abstellen und die Quinua bei geschlossenem Deckel ca 20 bis 30 Minuten garen lassen.

Aus 500 g getrockneter Quinua werden so etwa 1500 g gekochte !

Hier drei Gerichte, die man aus 1 Packung roter Quinua mit wenig Aufwand und preisgünstig zubereiten kann:

 

Leichte Gemüsesuppe mit Roter Quinua

–  3 EL Olivenöl   – 500 g geputztes Gemüse ( z.B. Zwiebeln, Sellerie, Lauch, Karotten)  – 400 g gekochte rote Quinua   –  Gemüsebrühe   – Muskatnuss    – Salz, Pfeffer, Petersilie                                                                                                                   

Das Gemüse im Olivenöl leicht anrösten. Mit Gemüsebrühe ablöschen, mit Muskatnuss würzen und fertig garen. Die gekochte Quinua zugeben. Salzen, pfeffern und mit frischer Petersilie bestreuen.

TiPP:  Wem diese  einfache Form der Gemüsesuppe zu einfach ist, kann Parmesan in die fertige Suppe reiben oder Wiener, Räuchertofu oder Grießklößchen dazugeben. Mit der Menge der Gemüsebrühe kann man regeln, ob es eher eine dünne oder dickere Suppe  werden soll.  Die Suppe  schmeckt auch gut mit  verschiedenen Kohlsorten ( Wirsing, Grünkohl, Weißkraut, Kohlrabi, Brokkoli…).

 

Einfache Quinua-Pflanzerl

– 500 g gekochte rote Quinua   – 3 EL Weizen- oder Dinkelmehl   – ca 100 g Lauch            – 100 – 150 g Käse (Gouda)   – 1 Ei   – Salz, Pfeffer, Majoran   – Bratöl

Die Quinua mit  Mehl, dem sehr fein geschnittenen Lauch, Käse, Ei, Salz und  Gewürzen sehr gut vermischen, daraus ca 20 Pflanzerl formen und diese im Bratöl bei nicht zu starker Hitze braten.

Tipp: Die Pflanzerl halten sehr gut zusammen und lassen sich in der Pfanne knusprig braten. Sie passen gut zu Kartoffelpüree und Salat. Oder aber auch zu einer Gemüsepfanne. Dem Pflanzerl – Grundrezept kann man mit Kräutern und Gewürzen (z.B. mit Chili oder Curry) jeweils einen anderen Touch verleihen.                                Quinuapflanzerl lassen sich problemlos einfrieren. Ein Versuch ist es wert,  übrig gebliebene Quinuapflanzerl mit einem Salatblatt  oder im Sommer mit Tomaten und Gurkenscheiben in eine Semmel zu stecken und Kindern als  „Kraft-Döner“  schmackhaft zu machen.

 

 Pikant – fruchtiger Quinua-Salat

– 600 g gekochte rote Quinua   – ein kleines Stück Lauch, ca 100 g     – 2 kleine Karotten   – 1 kleines Glas Zuckermais   – 1- 2 Äpfel    – 5-7 Datteln     – 100 g Joghurt    – Saft von 1 Zitrone oder/und  einige  EL weißer Balsamico  – einige EL Sonnenblumenöl    – Salz, Pfeffer

Die gekochte Quinua mit dem fein geschnittenen Gemüse, den Maiskörnern, dem fein gewürfelten Apfel und den klein geschnittenen Datteln vermischen und mit Joghurt, Zitrone oder Balsamico, Öl, Salz und Pfeffer abschmecken.

Tipp: Der Salat wirkt durch die bunten Zutaten schon rein optisch sehr frisch. An die Mengenangaben muss man sich nicht sklavisch halten. Er schmeckt immer ein bisschen anders, je nachdem wieviel Apfel  oder wieviel Lauch man dazu tut. Falsch machen kann man dabei nichts. Dem Salat tut es allerdings gut, wenn er einige Stunden durchzieht. Er übersteht auch einen Tag  im Kühlschrank problemlos. Datteln gibt’s aus Fairem Handel und Zuckermais von UNSER LAND…

 

Und nun zum Schluss noch was Süßes:  Müslivariationen mit Weißer Quinua und Joghurt

Grundmasse: Einige EL Naturjoghurt mit 2 TL Honig verrühren und einige EL gekochten weißen Quinua dazugeben. Diesen kann man vorher portionieren und kühlen oder einfrieren (s.o.).

Die Grundmasse aromatisieren, z.B. mit Zimt, gemahlener Vanille, Kakao, Schokoladenraspeln, Kokosflocken (gibt’s alles aus Fairem Handel) oder Zitronenschale und mit Banane oder Obst der Jahreszeit und evtl. einigen Nüssen vermischen.

Auf diese Weise kann man sich sehr flexibel ein an die Jahreszeit angepasstes, wertvolles und sättigendes Müsli zubereiten, immer mal in anderen Geschmacksvarianten.

Wenn Sie gerne mehr Rezepte mit Quinua ausprobieren möchten, empfehlen wir Ihnen das Kochbuch von El Puente, das im Fairkaufladen ausliegt.

Dann bleibt uns nur noch, Ihnen viel Spaß beim Zubereiten, Genießen und Weiterentwickeln der Quinua-Rezepte zu wünschen.

Und ob Sie  sich dabei antikapitalistische Gedanken machen oder nicht, überlassen wir natürlich Ihnen…

 

Herzliche Grüße

Ihr Fairkaufladen-Team

.