Canaan Fair-Trade – Perspektiven für Kleinbauern in Palästina | Fairkaufladen
Canaan Fair-Trade – Perspektiven für Kleinbauern in Palästina

Canaan Fair-Trade – Perspektiven für Kleinbauern in Palästina

Foto: Firouz Bohnhoff während ihres Vortrags über die Situation der Menschen im Westjordanland

„Fairer Handel schafft Perspektiven“ war das Motto der Fairen Woche 2017.

Was dies konkret bedeuten kann, zeigte der Fairkaufladen an „Canaan Fair Trade“, einer Organisation, die im nördlichen Westjordanland in der Nähe von Jenin angesiedelt ist. Sie schafft es, Kleinbauern über die Vermarktung von Olivenöl ein stabiles Einkommen zu sichern und damit eine Region wirtschaftlich zu stabilisieren, die viele Menschen immer nur in Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt wahrnehmen.

Eingeladen zu der ersten Veranstaltung im neuen Laden war die aus Jenin stammende Petershausener Bürgerin Firouz Bohnhoff. Sie lernte den Gründer und Direktor von „Canaan Fair Trade“ im September bei einem Vortrag in der Seidlvilla kennen.

Mit der Vorstellung von Nasser Abufarha, dem Träger des One World Award 2017″, begann dann auch die Präsentation des Fairkaufladens zu Canaan Fairtrade. Der One World Award wird vergeben für Menschen und Initiativen, die wirtschaftliche, soziale und ökologische Verbesserungen bewirken und damit beitragen, die Welt gerechter zu machen. Abufarha wurde ausgezeichnet für seine Pionierleistung in Öko-Landbau und fairem Handel im Nahen Osten.

Mutmacher Nasser Abufarha

Nasser Abufarha (Foto: Naturland Fair)

Während seines Studiums der Kulturanthropologie in den USA mit dem Fairen Handel in Berührung gekommen, machte sich Abufarha zum Ziel, diese Idee auch in Palästina umzusetzen. Der Schlüssel dafür waren für ihn die Olivenbäume, die schon immer eine zentrale Bedeutung in der palästinensischen Kultur hatten.

  

Olivenbäume im Westjordanland (Fotos: Canaan fair Trade)

Die Situation in den von Israel besetzten Gebieten zwang viele Olivenbauern, ihre Olivenhaine zu verlassen und brach liegen zu lassen.  Abufarha, der die außergewöhnliche Qualität des palästinensischen Olivenöls schon seit seiner Kindheit kannte, wollte sich mit dieser Situation nicht abfinden.

2004 nach Palästina zurückgekehrt, fing er an, Olivenbauern zu organisieren und gründete bei Jenin die beiden Organisationen „Canaan Fair Trade“ (für die Verarbeitung und Vermarktung von Oliven und anderen Produkten) und die NGO „Palastine Fair Trade Association“ (für die Beratung von Kleinbauern). Von Anfang an setzte Abufarha auf ökologischen Anbau und fairen Handel.

Hauptsitz von Canaan Fair Trade (Foto: Canaan Fair Trade)

Mit Canaan Fair Trade wurde ein Netzwerk von ca 1700 Kleinbauern geschaffen, die im ökologischen Anbau beraten werden und ihr Öl sowie andere Erzeugnisse in die USA, Europa, Asien und Australien vermarkten können. Darüber hinaus trägt das Projekt zur umfassenden Entwicklung der Region bei. Es bietet Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen auf dem Land und investiert in Gemeinschaftsprojekte, Frauenförderung und Bildung.

Zusätzlich zum Fairen Handel  vergibt Canaan Fair Trade z.B. jedes Jahr Stipendien an 10 Studenten sowie Mikrokredite an Frauen, die sich selbständig machen möchten. Und mit dem „Tree fore Life“-Programm werden  in großem Stil kleine Olivenbaumsetzlinge vergeben. Vorzugsweise an junge Bauern, Frauen mit eigenem Land oder Bauern, die ihr Land verloren haben.

     

Frauen bei der Zubereitung von handgerolltem Maftoul (Cuscous) und von sonnengetrockneten Tomaten (Foto: Canaan Fair Trade)

Mit Fotos von der Olivenverarbeitung bei Canaan Fair Trade und Bildern von Menschen und  Landschaft des Westjordanlands endete die Präsentation.

Momentane Situation im Westjordanland und kritische Berichterstattung

Im Anschluss berichtete Firouz Bohnhoff  über die derzeitige Situation im Westjordanland, die nach wie vor geprägt sei von Übergriffen der israelischen Armee und von Siedlern gegen die Bewohner.

Foto: Westjordanland mit den palästinensischen Autonomiegebieten  (grün)

Sie beklagte, dass in der aktuellen politischen Diskussion in Deutschland der bloße Verweis auf die Zustände in Palästina mit Antisemitismus in Verbindung gebracht würde. So würde eine realistische Betrachtung der Zustände in Palästina mehr oder weniger unterbunden.

So hatte zum Beispiel der Gasteig versucht,  einen Vortrag von Judith Bernstein, Sprecherin der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe, am 3. Oktober zu verhindern (was allerdings vom Landgericht München I in einer einstweiligen Verfügung aufgehoben wurde). Die Begründung des Gasteig war, dass es sich „bei einigen der Mitveranstalter um Gruppierungen handelt, die der BDS-Kampagne zumindest nahe stehen oder diese auch unterstützen“.  Die BDS- Kampagne ruft in Anlehnung an den Kampf der Südafrikaner gegen die Apartheid seit 2005 zu Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS) gegen Israel auf und wird international von vielen Gruppen unterstützt.

Die Tendenz, Israelkritik möglichst zu unterbinden, zeige auch der gemeinsame Stadtratsantrag von SPD und CSU, der israelkritische Veranstaltungen in allen städtischen Räumen einschränken wolle, besonders wenn es sich um Gruppen handele, die die BDS- Kampagne http://bds-kampagne.de/ unterstützten.

Der Vorwurf – so Firouz – sei immer der gleiche: Antisemitismus. Dabei gehe es aber doch darum, nicht die Menschen in Israel pauschal zu verurteilen, sondern die Politik Israels, die sich nicht an internationales Recht halte. Selbst die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini habe BDS bei verschiedenen Gelegenheiten mit Verweis auf die Grundrechts-Charta der UN als zulässig bezeichnet.

Bekräftigt wurde die Sichtweise von Firouz Bohnhoff auch von Basim und Renate Helo, die mit eigenen Erfahrungsberichten wesentlich zur Diskussion beitragen konnten.

Unterstützen durch Genießen

Umso bemerkenswerter fand Firouz das Projekt „Canaan Fair Trade“, das den Menschen im Westjordanland endlich wieder Mut mache. Sie freute sich darüber, dass der Fairkaufladen die Produkte nun im Sortiment hat und dass es auf diese Art auch für Petershausener möglich ist, die Menschen im Westjordanland zu unterstützen.

Foto: Stehbuffet mit Semmeln, Olivenöl, Zaátar und Humus

Der eigentliche Geschmack des Westjordanlandes zog dann mit einem schnell arrangierten Stehimbiss in den Fairkaufladen ein. Fairkäufer*innen und Besucher konnten nun das kosten, was für Palästinenser zum Alltagsessen gehört: Brot mit Olivenöl und Zaátar, ergänzt mit selbst gemachten Humus (Kichererbsencreme).

Alle waren begeistert von diesem einfachen guten Essen. Schön zu wissen, dass man durch den Genuss von Olivenöl und anderen gut schmeckenden Produkten Menschen im Westjordanland in einer schwierigen politischen Situation zu neuen Perspektiven verhelfen kann.

Hier einige Links:

  • Original-Website von Canaan Fair Trade: http://www.canaanfairtrade.com/
  • Video, das nur aus Fotos besteht, aber sehr schöne Einblicke gewährt in das Leben der Menschen, die für Canaan Fair-Trade arbeiten.